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Interview: SO geht „Pferd“: Bernd Hackl erklärt warum du nicht wie ein „Pferd“ sein sollst


Bernd Hackl beantwortet Petras FragenPferdeflüsterei.de: Wir wollen doch alle gerne den Pferden in ihre Köpfe schauen und wissen, wie sie ticken. Du beschäftigst Dich intensiv mit den Tieren. Was glaubst Du, wie denken die Pferde untereinander und über uns Menschen?

Bernd Hackl: Wie Pferde wirklich denken, weiss ich nicht – ich war noch kein Pferd (muss lachen). Es gibt auch ganz viele verschiedene Theorien, wie Pferde wirklich denken. Da hat jeder Wissenschaftler seine eigene Theorie, beweist sie dann und wird dann widerlegt von einem anderen Forscher.

Ich glaube, dass wir nie wirklich in ihre Köpfe sehen werden. Aber ich weiss, dass die Charaktere ganz verschieden sind. Und ich weiß, dass es nicht stimmt, wenn es heisst, ein Pferd würde nie aus eigenen Stücken etwas gegen den Menschen machen. Ich denke, es ist eine charakterliche Sache.

Wenn Menschenkinder zur Welt kommen, dann hast ddu 10 verschiedene Kinder mit 10 verschiedenen Charakteren. Und egal, wo sie aufwachsen, der eine hat eine kriminellere Ader, der andere ist eher ein Weichei. Wenn das Weichei zu einem Boxer kommt und der Boxer zieht ihn groß, dann wird er vielleicht zu einem Schläger, weil er so erzogen wurde.

Wenn der Kriminelle zu einer Familie kommt, die Autos klaut, dann wird er wahrscheinlich in die Fussstapfen seines Vaters treten und Autos klauen. Wenn er aber irgendwohin kommt, wo sie ihm Werte beibringen, und sagen: Pass auf! Geklaut wird nicht! Dann ist das vielleicht in der Erziehung ein härterer Weg, aber wenn die Eltern und das Umfeld darauf achten, dass er ein verantwortungsvoller Mensch wird, dann wird er mit Sicherheit ein ganz normaler Erwachsener.

Pferdeflüsterei.de: Klar, da hast du Recht. Wir können sie nicht alle über einen Kamm scheren. Aber wir wollen trotzdem versuchen ein bisschen in ihren Kopf zu schauen, um sie besser zu verstehen. Hast du einen Tipp für uns?

Bernd Hackl: Dazu sollten wir uns einfach ihr Verhalten anschauen. Das ist etwas, das ganz viele Menschen nicht beachten. Zum Beispiel das Thema: Handfütterei! Wie komme ich auf die Idee, wenn ich mich dafür interessiere, wie ein Pferd denkt, dass ich ihm etwas aus der Hand gebe.

Ich kenne keine Pferdemutter, die zu ihren Fohlen läuft, ein Büschel Gras auskotzt und sagt: Schau, weil Du so brav warst. Das gibt es nicht! Das ist rein Menschengemacht. Der Mensch denkt, er weiß wie Pferde denken, also gibt er ihnen zu fressen, ordnet sich damit unter und macht das Problem schlimmer als es war.

Pferdeflüsterei.de: Gut, dass sehe ich anders. Wir geben ja auch Hafer und Heu ab. Ich denke, dass Leckerli eine tolle Sache sind. Aber das ist meine Meinung und hier geht es ja um deine Trainingsideen. Was sind denn dann neben der Handfütterei Punkte in Sachen Pferd?

Pferdeblick unsicherBernd Hackl: Ich sollte mir einfach anschauen, wie mein Pferd auf mich reagiert? Wendet mein Pferd den Kopf ab, wenn ich komme? Spitzt er die Ohren? Schaut er mich an?

Was ich zum Beispiel gerne mache, wenn ich ein Pferd aus der Box oder von der Koppel hole. Wenn er den Kopf zu mir wendet, dann wende ich mich ab und gehe wieder. Ich gehe nicht weit, aber ich drehe meinen Körper und lade ihn ein, zu mir zu kommen. Es geht mir darum, dass er nicht stehen bleibt und merkt, ich missachte seine Signale.

Er schaut mich an und sagt: Ich hab dich wahrgenommen, ich sehe dich, was willst du von mir. Wenn ich das einfach missachte und sage: Ich lege dir einfach ein Halfter an und ziehe dich von der Koppel. Dann ist das Pferd wahrscheinlich enttäuscht. Wenn er aber sieht: Aha, der Mann reagiert auf mich und körpersprachlich wende ich mich ein bisschen ab von ihm und sage: Komm mit mir, ich weiß was. Dann wird er sich darauf einlassen und wird sich mir anschließen und sagen: Hey, da kommt der Kumpel wieder, ist ja super.

Mensch, da hat er mich gesehen, jetzt gehe ich mal zu ihm und schaue, was wir machen. Das ist ein ganz anderes Beobachten eines Pferdes. Hat er den Kopf abgewandt und schaut er in der Gegend herum, weil er mich ignoriert. Dann nehme ich meinen Führstrick, klopfe damit auf den Boden und scheuche ihn weg und sage zu ihm: Dicker, wenn ich komme, hast du zu sehen, dass ich komme, dann hast du mich zu beachten, nicht zu ignorieren. Das gehört für mich zum Respekt!

Pferdeflüsterei.de: Wie sage ich zum Beispiel einem Pferd im Idealfall „Hallo“, wenn ich dann vor ihm stehe. Es gibt Menschen, die sagen, man solle den Pferden leicht in die Nüstern blasen, weil Pferde das untereinander machen – was denkst du darüber?

PferdenaseBernd Hackl: Pferde gehen aufeinander zu und dann bringen sie Spannung in den Hals, aber dann blasen sie sich nicht in die Nüstern. Der Mensch macht *Pfffffff* und bläst ein bisschen.

Die Pferde nehmen die Nüstern zusammen, nehmen ihren Geruch wahr. Der eine kommt zum anderen und beriecht ihn. Der Dominantere von beiden fängt dann nicht an zu blasen, sondern macht laute Fauchgeräusche.

Das ist ein Dominanzverhalten. So, jetzt komme ich zu meinem Pferd, sage „Hallo“ auf pferdisch und das Pferd wird dominant. Was mache ich dann mit einem dreijährigen Junghengst? Er wird dominant, weil ich ihn ja auf pferdisch begrüßt habe. Er rechnet mit einer pferdischen Antwort. Die pferdische Antwort von einem Unterlegenen wäre abzuhauen. Das wäre auch ratsam, wenn so ein dominanter Junghengst vor einem steht.

Warum soll ich mein Pferd auf pferdisch begrüßen? Ich begrüße ihn auf menschlich. Ich sage: Hey Dicker, ich bin da! Er kommt und sagt: Och, da kommt der Alte mit zwei Beinen, lauf ich mal rauf, der ist immer recht lustig. Ich habe einen komplett anderen Ansatz, ich sage nicht – ich begebe mich in die Welt der Pferde, sondern ich erwarte von meinem Pferd, dass es mich akzeptiert als Mensch und sich mir unterordnet.

Als Pferd habe ich schlechte Karten. Ein Wettrennen verliere ich, eine Beisserei verliere ich, ein Wetthören verliere ich, selbst ein Wettgucken verliere ich. Ich bin kein Pferd und ich will auch keines werden.

Pferdeflüsterei.de: Ich glaube, das Schwierigste ist für viele die Kommunikation. Pferde haben ihre Sprache untereinander, wir haben unsere Sprache. Aber wir müssen ja irgendwie zusammenkommen. Wenn man sagt, ich begebe mich nicht ins pferdische, weil ich kein Pferd sein möchte – wie kommuniziere ich dann mit ihnen, damit sie mich verstehen?

Bernd Hackl: Ganz einfach, wenn ich irgendwo auftauche, sage ich meinem Pferd: Weiche, wenn ich da hin will. Gehe weg, wenn ich dorthin hin will. Oder auf ein gewisses Signal, zum Beispiel abwenden: Folge mir. Indem ich mein Pferd einlade. Ich hole mir den Kopf, wende mich ab und nehme ihn mit.

Pferde sind ja Herdentiere, sie suchen immer einen Anschluss. Er wird sich nicht dem anschließen, der am dominantesten ist, sondern dem, der am Besten auf ihn aufpasst, der die meiste Obhut gibt. Und da bewahrheitet sich wieder diese Theorie mit dem „Menschlich bleiben“. In meiner Welt, in der es Traktoren oder Rasenmäher gibt, wo es Strassenverkehr gibt, braucht er kein zweites Pferd, weil das in meiner Welt keine Ahnung hat.

Er braucht mich als Mensch, der sich dort bewegt, der so ein Auto fahren kann, der weiß, wie das Ganze funktioniert. Wie kann ich einen Traktor abwenden? Ich kann mit den Händen winken, ich kann etwas machen, er nicht. Er kann höchstens den Schwanz einklemmen und abhauen. Also verlässt er sich mehr auf den Menschen und sagt: Hey cool, der Typ hat Ahnung. Genauso mache ich dem Pferd klar: Pass auf, ich bin da! In dem ich meine Arme nutze, mal ein Geräusch mache, einfach auf ihn zutrete, mal mit den Armen wedele und ihn wegschicke. Dann wieder einlade, ihn einfach von mir wegbewege und zu mir hinziehe.

Ich arbeite mit zwei Arten von Druck. Einmal der direkte Druck. Direkter Druck ist zum Beispiel, wenn mein Führstrick am Hintern anklopft und das Pferd vorwärts soll. Der indirekte Druck ist einfach ein Gefühl. Wenn ich das Gefühl habe, mein Pferd schaut mich an, ich wende mich ab und nehme diesen Blick mit. D.h. der Blick und der ganze Körper wenden sich zu mir und er folgt mir.

Im Training ist es am Anfang so, dass ich 80 Prozent direkten und nur 20 Prozent indirekten Druck ausübe, mit der Zeit sucht man 50 / 50 und dann sollte der Sprung kommen, dass man sagt, okay – jetzt arbeite ich mit indirektem Druck und nur noch 20 Prozent mit direktem Druck

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Pferdeflüsterei.de: Das haben wir auch mal gesehen bei den Vox Pferdeprofis. Da gab es eine Folge, mit einem weißen Andalusier-Wallach. Du warst im Roundpen, hast ihn getrieben und dann gab es einen Moment, da hast du dich weggedreht. Man hat von außen gesehen: Okay, das Pferd hat in dem Moment angefangen nachzudenken, als du dich weggedreht hast. Du hast genau diesen Moment erwischt. Woran erkenne ich diesen Moment. Pferde „reden“ schließlich schon mit Ohren, Augen, Nase, Körper – von Kopf bis Schwanz – was kann ich da an Emotionen ablesen?

Bernd Hackl: Das war Carlos. Er ist ein sehr dominantes Pferd, ein spät kastrierter Wallach. Seine Besitzerin hat ihn als Problempferd gekauft. So ein Pferd hat eine ganz eigene Ausdrucksweise. Carlos läuft da im Roundpen und ich warte auf einfache Signale.

Das einfachste Signal ist, erstens wenn die Ohren nicht mehr nach außen tendieren, sondern das innere Ohr sich leicht zu mir dreht mit der Ohrmuschel, damit er mich erst einmal hört. Er muss mich nicht sehen, er muss nur das Ohr drehen.

Ein zweites sehr sicheres Signal, dass er langsam zuhört, ist, wenn der Kopf sich senkt. Carlos läuft erst mit durchgedrücktem Hals, der Rücken ist auch durchgedrückt und die Schweifrübe fest. Damit sagt er: Du kannst mir gar nichts! Wenn er nicht laufen müsste, wäre es ihm lieber. Aber ich habe ihn angetrieben und dann geht er eben gnädigerweise. Aber irgendwann hat er festgestellt: Der Typ hört nicht auf. Was muss ich verändern, damit der Typ in der Mitte sich verändert.

Dann hat er angefangen nach mir zu schauen mit dem Ohr, dann habe ich noch gewartet, bis der Hals tiefer kam, er Spannung verlor. Dann habe ich mich abgewandt und gesagt: Schau, wenn d so bist, wenn du dich entspannst und sagst, ich drohe dir nicht mehr, dann wende ich mich ab und nehme den Druck weg.

Dann ist er dankbar nach innen gewendet und hat gesagt: Auja, cool! Bin ich froh, wenn ich Pause machen kann. Wird er wieder dominant, bekommt er wieder Spannung und drückt gegen mich. Schicke ich ihn wieder raus und sage: So brauchst du mit mir hier drinnen nicht reden. Der alte Spruch: Solange du die Beine unter meinen Tisch streckst…. Aber so ist es! Wenn du hier in der Mitte mit mir stehen willst und chillen, dann nach meinen Regeln. Ohne Körperspannung, ohne bullig gegen mich zu sein, ohne den Hengst zu markieren. Pferde sind Stromsparer, sie wollen nicht arbeiten, also macht er irgendwann, was ich will.

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Pferdeflüsterei.de: Wenn man von Carlos weggeht und ein „normales“ Pferd nimmt. Von Kopf bis Schweif – gibt es Körpersignale, Ohr nach hinten zum Beispiel heisst …. Ganz groß machen heisst…. Wenn der Schweif schlägt heisst….

Bernd Hackl: Schweif schlagen ist meist ein Zeichen von Unwohlsein, Kopfschütteln ist ein Zeichen von Widerwillen. Spannung im Pferdekörper heisst, er wartet auf irgendetwas. Er ist auf Anspannung. Ein Ohr das sich zu mir dreht, er beachtet mich langsam, er schaut langsam nach mir. Und ganz wichtig: Das Lippen lecken. Wenn Pferde sich die Lippen lecken.

Sie haben eine Gehirnhälfte, die ist für Flucht zuständig. Das heisst, das Pferd presst den Kiefer aufeinander als Fluchttier, beisst die Zähne zusammen, die Arschbacken auch und weg. Weil: jetzt muss ich flüchten. In dem Moment, in dem die Flucht aufhört, das hat man bei Forschung mit Zebras herausgefunden – sämtliche Fluchttiere, Rehe und Hasen machen das auch – schaltet er quasi die Gehirnhälften um und geht von der Fluchthälfte, die die Muskulatur anspannt, auf die Fresshälfte, die die Muskulatur entspannt. Folge dessen, wird der Unterkiefer weich und locker, er fängt an abzukauen. Die Zunge leckt über die Lippen, die Zähne knirschen kurz mal.

Man hat auch festgestellt, dass die Pferde wahnsinnig schnell ihren Puls hochtreiben. Sobald sie aber abkauen sind sie sofort genauso schnell wieder unten. Er kann sich wahnsinnig schnell aufregen, er kann aber auch ganz schnell wieder runterfahren und ganz gechillt sein. Das ist auch etwas, das Menschen oft missverstehen, weil sie sagen: Oh mein Pferd regt sich auf. Angeblich regt sich das Pferd eine Stunde auf. Das ist aber Quatsch, weil er innerhalb von Sekunden aufgeregt und entspannt sein kann, aufgeregt und entspannt. Das was ihn in der Aufregung hält, ist der Mensch.

Pferdeflüsterei.de: Weil der Mensch weiterhin aufgeregt ist und damit das Pferd wieder aufregt

Bernd Hackl: Genau! Wenn Du mal überlegst, unsere Korrekturen für Pferde.  Ein Pferd macht irgendetwas und regt sich auf. Was macht der Pferdebesitzer? Er möchte korrigieren. Er sagt zackig: Nein! Höööööör auf! Das ist alles mit zuviel Druck. Ich schiebe ihn dabei aber immer mehr an die Spitze. Ich kann schon sagen: Nein hör auf. Dann sage ich es aber nicht mit Druck, sondern ich sage freundlich: Nein, hör mir zu, wir machen einfach weiter. Das ist eine ganz andere Klangfarbe.

Ich unterscheide in Klangfarben, die einen reden im roten Bereich mit viel Druck, die anderen reden im grünen und blauen Bereich. Sie nehmen ganz viel Druck raus. Wir funktionieren oft genau verkehrt herum für Pferde*

Pferdeflüsterei.de: Kleiner Schlenker, was verstehst du dann unter Horsemanship, also dem guten Umgang mit Pferden?

Bernd Hackl: Natural Horsemanhsip könnte man übersetzen mit „Fairem Umgang“. Jemand der wirklich ein Horseman ist, beobachtet sein Pferd und weiß: Wieviel Druck hält er aus, wieviel kann ich ihm abverlangen und wo muss ich im Training ansetzen, damit ich ihn weiter fördere und weiter bringe in der Leistung. Das ist Horsemanship. Es ist keine Magie.

Heutzutage ist es ein abgedroschener Begriff, es ist ja alles Horsemanship. Ich habe mittlerweile Leute, die anrufen und sagen: Ich trainiere jetzt seit drei Jahren Horsemanship. Was genau trainieren die? Ich kenne kein Trainingssystem Horsemanship. Ich kenne nur die innere Einstellung „Horsemanship“, nämlich Fairness dem Pferd gegenüber. Dann rücken sie an mit Kandaren und unmöglichen Zäumungen, dann werden die Pferde longiert, heruntergebunden und ausgebunden, aber sie trainieren ja alle Horsemanship. Das ist mir absolut unverständlich.


Wann wird ein Pferd zum Gewichtsträger?

Seit einigen Jahrzehnten wird unsere Bevölkerung im Durchschnitt betrachtet, zunehmend fülliger. Wachsender Wohlstand und eine Veränderung der Lebens- und Essgewohnheiten begünstigen diesen Trend und es ist nicht damit zu rechnen, dass diese Entwicklung  zeitnah aufgehalten wird.

Auch Reiter bilden keine Ausnahme. Somit stellt sich immer öfter die Frage:

Welches Pferd ist ein Gewichtsträger?

Ähnlich wie bei den Hunden, bei denen Huskys zahlreich zum perfekten Familienhund mutieren (wenn man den Züchteranzeigen Glauben schenken darf), werden auch in der Pferdebranche kuriose Behauptungen aufgestellt.

Der dicke Appaloosa  wird als idealer Gewichtsträger angepriesen, nur weil er den dicken Reiter quasi ins Gesamtbild hineinschmelzen lässt. Dass das arme Tier aber Beider Kilos auf vier dünnen Stelzen tragen muss, wird vorsichtshalber lieber unbeachtet gelassen. Genauso ergeht es dem Husky, der  nun trotz seiner Gene, die ihn hunderte von Jahren dazu befähigt haben, stundenlang über den Schnee zu rennen, in einer Großstadtfamilie lebt.

Kaum ein Reiter weiß wirklich, wie er die Tragleistung seines Pferdes beurteilen kann. Oft hört man die Pauschalaussage, ein Pferd könne 15% seines Eigengewichtes tragen. Nun, wer folgende Zeilen liest, wird sich selber denken können, dass diese Annahme ein wenig vereinfacht auf das Problem eingeht.

Das Pferd ist kein Lastenträger!

Auch wenn uns das Exterieur eines Pferdes einladend erscheint, uns drauf zu setzen…die Natur hat mit dieser Möglichkeit nicht gerechnet.

Der Bauchraum eines ausgewachsenen Großpferdes wiegt ca. 300-400kg. Dieser „hängt“ an einer dünnen Wirbelsäule, welche absolut nicht in der Lage ist, dem Gewicht ohne Hilfe Stand zu halten. Sie würde gnadenlos in der Mitte durchbrechen.

Warum tut sie aber genau das nicht? Weil sie Unterstützung aus physikalischer Richtung erhält. Die Spannbogenkonstruktion der Wirbelanordnung verteilt das Bauchgewicht  im fressenden Zustand  (Kopf auf dem Boden) auf die Vorder- und Hintergliedmaßen des Pferdes. Da ein Pferd wildlebend ca. 16 Stunden am Tag Nahrung zu sich nimmt, hält der Körper die Belastung ohne Probleme aus.

Aus diesem Wissen heraus, ergeben sich die Merkmale, auf die man bei der Suche nach einem Gewichtsträgers achten sollte:

•ein hoher Widerrist
•dicke Röhrbeinknochen
•breiter Brustkorb- und Rippenbogenumfang
•kurzer Rücken
•gute Winkelung der Hinterhand
•gute Hufform und Hufstellung
Ein hoher Widerrist und ein kurzer, stabiler Rücken ermöglichen es, aufgrund der Hebelgesetze das Reitergewicht leichter auf die Gliedmaßen umzulegen. Diese sollten durch dicke Röhrbeine und einer guten Winkelung der Hinterhand in der Lage sein, die Last zu übernehmen.

Gute Hufe sind natürlich erheblich entscheidend für die Frage, ob das gewünschte Pferd ein typischer Gewichtsträger ist. Auf den vier Hufen verteilt sich schlussendlich das Gewicht von Pferd, Ausrüstung und Reiter. Sind diese nicht hinreichend stabil in Form, Stellung und Konsistenz nützt dem beleibten Reiter auch ein hoher Widerrist nichts. Ein Hufschmied sollte daher bei der Entscheidung um Rat gefragt werden.

Ein breiter Brust- und Rippenbogen schafft eine stabile Rechteckkonstruktion und kann das Reitergewicht besser ausbalancieren.

Nicht immer sind alle Merkmale vorhanden und trotzdem schließt es ein Pferd als Gewichtsträger nicht aus. Aber logisches Denken lässt jeden auf die Idee kommen, dass z.B. dünne Pferdebeinchen keine schweren Lasten tragen können, ohne auf Dauer gesundheitliche Schäden davon zu tragen.

Pferderassen

Es gibt Pferderassen, welche oben genannte Körpermerkmale aufweisen. Die Größe des Pferdes spielt dabei nur bedingt eine Rolle. Der kleine Isländer kann mehr Last tragen, als ein zierlicher, aber größerer Vollblutaraber.

Klassische Vertreter der Gewichtsträger sind natürlich die meisten Kaltblutrassen. Allerdings muss man aufpassen. Die Friesen und Tinker beispielsweise gehören auch oft zu den vermeintlichen Rassen, die schwere Lasten tragen können, sind aber nicht unbedingt immer sofort als Gewichtsträger einzuordnen. Das liegt an ihren manchmal schwachen Rücken. Diese Pferde wurden ursprünglich für die Kutsche gezüchtet. Der Rücken hängt mitunter schon genetisch bedingt durch, da niemand für die Kutsche einen stabilen Rücken brauchte.

Ebenso haben die Veredelungsversuche bei vielen Rassen die Fähigkeit, schwere Lasten zu tragen, minimiert. Es gibt oft den Typ einer Rasse „vom alten Schlag“ und vom „modernen sportlichen Schlag“. Der neue Typ geht nicht selten einher mit dünnen Röhrbeinen, schmalem Brustumfang und  wenig voluminösem Rippenbogen. Haflinger, Friesen, Appaloosa, Quarter Horse, aber auch Warmblüter sind davon betroffen.

Es gibt dennoch Rassen, die sportlich sind und beleibte Reiter problemlos tragen können. Viele Warmblutrassen eignen sich hier ausgezeichnet dafür. Ihr hoher Widerrist, stabiles Knochengerüst und ihr extra für die Reiterei gezüchtetes Exterieur lassen sie spielend auch mit schweren Gewichten klar kommen.  

Wichtig ist nur, dass man nicht eine Rasse über den gleichen Kamm schert, sondern jedes Pferd separat unter oben genannten Gesichtspunkten betrachtet.

Training und Proportionen

Für jedes Pferd, welches geritten wird, ist gesundes Training wichtig. Darüber sind wir uns einig. Trotzdem möchte ich zu bedenken geben, dass der Reiter, der ein paar winzige Kilos zu viel auf die Waage bringt, eine ganz besondere Verantwortung seinem Reitpferd gegenüber hat. Starke Muskeln an der richtigen Stelle (!) erleichtern dem Tier so einige Ausritte. Daher ist es sehr wichtig, dass das Pferd vom Boden aus sauber vorbereitet wird. Handarbeit, Doppellonge, Langzügel oder Kappzaumlonge…die Möglichkeiten sind vielfältig und sollten ausgiebig genutzt werden. Bevor die Reitermuskeln des Reitpferdes nicht gestärkt sind, gehören schwere Reiter nicht in den Sattel.

Ein anderer Aspekt ist bei „gewichtstragenden Pferden“ der tierische Körperfettanteil. Ein dickes Pferd muss zusätzlich zum beleibten Reiter noch eigenes unnützes Fett mit sich herum schleppen. Sichtbares Fett beim Pferd kann locker ab 50 Kilo aufwärts zu viel sein.

Auch wenn ein dickes Pferd den Reiter optisch besser relativiert…es ist ein zusätzliches Problem, welches das Pferd ganz bestimmt mittel- und langfristig merken wird!

Schlussendlich gibt es keine pauschale Zahl, wie viel Kilos ein Pferd tragen kann. Es hängt immer individuell vom Exterieur und vom Trainingszustand des Pferdes ab. Aber weniger tut jedem Pferd öfters gut. Verantwortung seinem Pferd gegenüber heißt manchmal auch, über seinen Schatten springen und für die eigene Gesundheit zu sorgen.




Mobbing im Reitstall...wenn das Hobby zum Spießrutenlauf wird

13. Mai 2014

Unsere Reitställe ähneln einem orientalischen Basar. Nur dass nicht mit Feigen und Datteln gehandelt wird, sondern mit unzähligen Charakteren, welche sich freiwillig niemals länger zusammen in einem Raum aufhalten würden. Das Hobby Pferd verbindet Menschen aus allen Ecken unserer Gesellschaft. Sie bilden hinter den Stalltüren eine neue Lebensgemeinschaft, die sich aus allen anderen Bereichen abkoppelt. Geprägt durch fachliche Kompetenz, reiterliches Vermögen oder zumindest die theoretische Selbstdarstellung dessen setzt sich eine Rangordnung fest, welche sich in manchen Pferdeställen eher der Hack- und Pickordnung eines Hühnerstalles würdig erweisen würde.

Der individuelle Lebenslauf jedes Einzelnen zählt hier vorab nichts. Sobald man den Stall betritt, werden die Würfel neu gewürfelt. Jeder beginnt bei Null. Jeder darf sich ein Plätzchen erkämpfen…unbewusst, aber stetig präsent reguliert die heimliche Rangordnung das Leben zwischen den Pferden.

Für einige Menschen ist genau das die Chance, die sie in anderen Bereichen des Lebens nicht verwirklichen konnten. Wem beruflich der Erfolg verwehrt bleibt, die private Beziehung gescheitert ist oder wer aus anderen Gründen nicht zufrieden und ausgeglichen seinen Platz im Leben gefunden hat, sieht oft im Reitstall die Gelegenheit, sich vor anderen zu profilieren und seine Minderwertigkeitskomplexe aufzumöbeln. Mobben, Lästern und Intrigieren werden die Würze ihres traurigen Lebens. Sie sonnen sich in dem erhabenen Gefühl der Macht. In ihrer subjektiven Wahrnehmung werden sie größer und bekommen endlich den gesellschaftlichen Platz, der ihnen zusteht, aber ansonsten verwehrt geblieben ist.

Warum finden wir so häufig Mobbing in Reitställen?

In so einer bunten Mischung Menschen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass zwei oder drei Personen, wie eben beschrieben, aufeinander treffen. Sie bestärken sich gegenseitig in ihren Bedürfnissen und binden langsam und eher unauffällig andere Mitglieder der Gemeinschaft in ihre Bestrebungen ein. Die meisten ReiterInnen suchen Entspannung nach den alltäglichen Verpflichtungen. Oft bemerken sie nicht, welches Unwetter sich zusammenbraut. Eine harmlose Bemerkung während einer netten Plauderei kann sich über Tage und Wochen hinweg für betroffene „Mobbingopfer“ zu einem katastrophalen Sturm zusammen brauen. Zwei Akteure reichen bereits aus. Die anderen laufen und mobben oft nur mit, um selber ihrer Ruhe und Entspannung nachgehen zu können. Gerade Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen, halten sich gern aus allem raus. Andere lassen sich mitziehen. Gruppenzwang ist dem Menschen angeboren. Es ist beruhigend, sich zusammengehörig zu fühlen. Die Gemeinschaft stärkt und schützt. Vor allem, wenn man sieht, wie andere dem Mob zum Opfer fallen.

Wer kann Mobbingopfer werden?
Jeder. Bei Pferdeleuten ticken die Uhren anders. Das typische Schema des Mobbingopfers gibt es nicht. Es kann jeden treffen.

• Wer gut reiten kann.
• Wer nicht gut reiten kann.
• Wer ein gutes Pferd hat. Oder ein schlechtes.
• Wer ein teures Pferd hat oder ein billiges.
• Wer nicht darauf achtet, dass die Schabracke farblich zu den Bandagen abgestimmt ist.
• Oder genau das toll findet.
• Wer sein Pferd nicht täglich oder doch täglich bewegt.


Ausschlaggebend sind die Mobber und sie finden garantiert einen Grund. Sie müssen einen finden, da sie sich ohne vermeintlich „schwaches“ Mobbingopfer selber nicht „stark“ fühlen können. Leider realisieren sie diese Differenzierung oft nicht bewusst, sondern handeln im Glauben, im „Recht“ zu sein. Anders als z.B. in beruflicher Situation verfolgen sie keinerlei realen Ziele (Besserstellen beim Chef, Abwerten von Kollegen und damit möglicher Konkurrenz in der Karrierelaufbahn,…)

Wie kann man Mobbing verhindern?
Diejenigen, die sich gern aus allem raushalten, müssen agieren. Sie sind die wirklich starken Persönlichkeiten, auf die sich eine Gemeinschaft stützen sollte.

Vorausschauend können sie bei den kleinsten Anzeichen von Mobbing die Lästerer aufhalten und somit künftige Mobbingopfer schützen. Ist die Maschinerie einmal in Gang gesetzt, wird nicht selten ein Selbstläufer draus, bei der auch die eigentlichen Akteure den Überblick und die Kontrolle verlieren.

Wegschauen deklariert jeden zum (Mit)Täter!

Alle Mitglieder einer Stallgemeinschaft müssen sich gegenseitig davor bewahren, andere auszugrenzen.

Letztendlich vergiftet Mobbing das gesamte Stallklima und fällt oftmals nach kurzer Zeit auf alle zurück.

Quelle: http://www.equimondi.de/magazin/


Die optimale Fütterung von Heu...
Die Basis in der Pferdeernährung


Über dieses Thema streiten sich viele Pferdebesitzer seit Jahren
mit den Bauern oder Stallbetreibern, denen ihre Pferde anvertraut wurden.

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und noch einer.... traurige Realität

Pferdehaltung heute ~
Du armes Pferd - geglaubte Liebe, gequält, gedemütigt, ausgenutzt


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Quelle: www.youtube.de


Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. BGH bestätigt Regelung des Bundeswaldgesetzes

(aid) - - Im Rahmen einer aktuellen Revisionsentscheidung zu einer Schmerzensgeld- und  Schadenersatzklage stellte der Bundesgerichtshof (BGH) letztinstanzlich klar: Das Betreten des Waldes zur Erholung erfolgt auch auf Waldwegen grundsätzlich auf eigene Gefahr. Der Waldbesitzer muss zwar das Betreten seines Eigentums dulden, haftet aber nicht für waldtypische Gefahren. Im konkreten Fall ging es dabei um eine Verletzung einer Spaziergängerin durch einen herabstürzenden Starkast auf einem Forstwirtschaftsweg. In einer ersten Mitteilung der Pressestelle des BGH vom 2. Oktober 2012 heißt es hierzu unter anderem:  

"Die Benutzung des Waldes geschieht jedoch auf eigene Gefahr. Dem Waldbesitzer, der das Betreten des Waldes dulden muss, sollen dadurch keine besonderen Sorgfalts- und Verkehrssicherungspflichten erwachsen. Er haftet deshalb nicht für waldtypische Gefahren, sondern nur für solche Gefahren, die im Wald atypisch sind. Dazu zählen insbesondere die Gefahren, die nicht durch die Natur bedingt sind. Die Gefahr eines Astabbruchs ist dagegen grundsätzlich eine waldtypische Gefahr. Sie wird nicht deshalb, weil ein geschulter Baumkontrolleur sie erkennen kann, zu einer im Wald atypischen Gefahr, für die der Waldbesitzer einzustehen hätte." (Entscheidung des VI. Zivilsenats des BGH, Az. VI_ZR_311/11 v. 2.10.2012).

Das Urteil: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/list.py?Gericht=bgh&Art=en

Quelle: www.aid.de



Der Knochenbrecher                                                                                          26.02.2014

Der ostfriesische „Knochenbrecher“ Tamme Hanken sorgt seit Jahren für Aufsehen in der Pferdeszene.

Mit seinen Händen spürt er Blockaden auf, die er mit spektakulären Handgriffen löst. Doch was ist dran, an dem großen Mann aus Filsum? Elke Hellmich war auf der Suche nach Antworten.



Tamme Hanken, Knochenbrecher von Beruf und Berufung, erfreut sich regen Zulaufs aus der Pferdeszene. Anfang Jänner 2010 war der Ostfriese aus Filsum erstmals auch in Österreich tätig, um Pferden seine „Behandlung“ angedeihen zu lassen – nicht zu jedermanns Zufriedenheit.
© Elke Hellmich

Anfang Jänner in einem Reitstall in Villach. Es ist bitterkalt, Schnee fällt in dicken Flocken, und während es sonst nur ganz wenige Unerschrockene an diesem Tag aus ihren warmen Stuben schaffen, herrscht hier reges Treiben. Der Grund für den Trubel – knapp 30 Pferde aus nah und fern wurden von ihren BesitzerInnen angeliefert –: ein Mann, über zwei Meter groß, mit Händen wie Pizzateller, der Kraft eines Stieres und der Feinfühligkeit eines Harfenspielers. Er ist, glaubt man dem deutschen „Stern TV“, „der Knochenbrecher, dem die Tiere vertrauen“ (Sendung vom 25. 11. 2009). Nun, zunächst einmal müssen ihm wohl die TierbesitzerInnen vertrauen und sollten sich nicht von seiner Berufsbezeichnung abschrecken lassen. Die im Ostfriesischen als „Knakenbreker“ bezeichneten Heiler verdanken ihren Namen der seltenen Gabe, Verrenkungen, Verspannungen und Blockaden im Körper von Tier und Mensch aufspüren und durch gezielte Manipulationen lösen beziehungsweise einrenken zu können. Da es im Zuge dieser Behandlung schon mal vorkommen kann, dass ein Gelenk ordentlich kracht, sind Menschen wie Tamme Hanken zu ihrem Namen gekommen.

Heiler aus Kaisers Zeiten

Die Gabe des Knochenbrechers ist etwas zutiefst Ostfriesisches. Über Hunderte von Jahren gab es auf dieser vom rauen Wind geprägten, dünn besiedelten Halbinsel kaum genügend Ärzte zur Versorgung von Mensch und Tier. Da kam es gerade recht, dass es in manchen Familien Knochenbrecher gab. Ihr Talent hatten sie geerbt, wobei nicht jede Generation gleichermaßen beschenkt wurde, oft war es auch erst das Enkelkind oder der Neffe, die das nötige Fingerspitzengefühl in die Wiege gelegt bekamen. Aufgrund kaiserlichen Erlasses waren die ostfriesischen Knochenbrecher ausdrücklich ermächtigt, ihren Beruf als Heiler auszuüben – dies, weil es nicht so recht gelingen wollte, approbierte Ärzte in der kargen Gegend anzusiedeln. Die wohl Berühmteste ihrer Zunft war die Knochenbrecherin Antje Gerdes, die zwischen 1885 und 1954 lebte. Missgünstige Geister bezichtigten sie der Kurpfuscherei, doch sie setzte sich durch und konnte ihre Kunst unbehelligt ausüben – allerdings legte man ihr den Besuch von Fortbildungen bei Ärzten nahe, was sie mit diesen Worten kommentierte: „Was die können, will ich gar nicht lernen, und was ich kann, können die sich nie aneignen!“

In zehn Minuten ist alles gut

Und damit wären wir auch schon beim Problem an der Sache – und zurück in Villach. Dort wird dem Knochenbrecher der nächste Patient vorgeführt: eine ältere Stute aus Offenstallhaltung, dick bepelzt und gut genährt. Das Pferd wurde kurz zuvor vom Anhänger abgeladen und gleich in die Halle gebracht. Dort bittet Hanken die Besitzerin, das Pferd ein paar Meter im Schritt vorzuführen, dann geht es los: Mit seinen Händen tastet Hanken das Pferd ab, bringt es durch gezielten Druck auf die Kruppe dazu, den Rücken rund zu machen. Dann sind die Beine dran: Zunächst wird der Beschlag begutachtet, dann jedes Bein aufgehoben und nach einem bestimmten System eingerenkt. In den Karpalgelenken kracht es deutlich, etwas gedämpfter dann, als Hanken mit einem festen Ruck an der Hintergliedmaße des Pferdes zieht, die für einen Moment waagrecht auf Höhe des Bauches nach hinten gerissen wird. Raunen in der Besuchermenge, die frierend am Rand steht und gebannt zusieht. Man sieht, dass die Körperkraft dem Knochenbrecher gerade bei solchen Eingriffen zugute kommt – und allein die Vorstellung, sich selbst in einem ähnlich „kalten“ Zustand auf diese Weise einrenken zu lassen, ist nicht nur kühn, sondern schlicht schmerzhaft. Dann kommt das Maul dran: Routiniert zieht der Knochenbrecher die Zunge aus der Maulspalte und begutachtet die Zähne: „Der hat eine Allergie auf die Trense, weißt du das?“, teilt er der sichtlich erstaunten Besitzerin mit. Es sei eine Kupferallergie – den Einwand, dass das Pferd eine Trense aus kupfer- und nickelfreier Legierung trage, lässt er nicht gelten: Trensenwechsel ist angesagt. Gut die Hälfte aller an diesem Wochenende vorgestellten Pferde wird die Diagnose „Trensenallergie“ bekommen.


Durch einen Blick ins Pferdeauge will der Landwirt aus Filsum feststellen können, ob ein Pferd an Magengeschwüren leidet – oder eben nicht. Hier ist alles in Ordnung.
© Elke Hellmich

Magengeschwür auf halb vier

Die Besitzerin hat Hanken zu Beginn mitgeteilt, dass das Pferd in der Früh „immer so starken Mundgeruch“ habe und wollte wissen, ob das mit einem Magengeschwür zu tun haben könnte. Hanken hat in Sekundenschnelle eine Antwort: Mit einem kleinen Lämpchen leuchtet er in das Pferdeauge: „Magengeschwüre sind auf halb vier“ – soll heißen: Liegt ein Magengeschwür vor, wären Veränderungen im Auge zu sehen, und zwar dort, wo auf ein Uhrzeiger auf halb vier liegt. Die wortwörtliche „Blickdiagnose“ fällt negativ aus – die Besitzerin freut sich. Eine Empfehlung gibt ihr Hanken noch: Sie solle nochmals eine Wurmkur durchführen, und zwar zweimalig im Abstand von zehn Tagen – übrigens auch ein Tipp, den an diesem Wochenende einige BesitzerInnen mit nach Hause nehmen. Nach Aussage der Besitzerin wurde das Pferd bereits vor zwei Monaten entwurmt, sein Ernährungszustand ist sehr gut, sodass es keine direkten Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer Wurmkur gibt. Hanken erklärt: „Man muss die Wurmbabys auch erwischen. Deshalb muss man ein zweites Mal nach zehn Tagen entwurmen.“ Dazu soll die Besitzerin regelmäßig Rote Beete, Karotten und Essig ins Futter geben, das wirke heilend und sei gut für den Magen. Nun ist die Sitzung aber zu Ende, knapp zehn Minuten hat alles gedauert, Pferd und Besitzerin ziehen erleichtert von dannen. Erleichtert auch um 250,– Euro, die an diesem Wochenende pro Pferd zu berappen sind.

Anrecht auf Kompetenz?

Vor Ort sind sich ZuschauerInnen wie PferdebesitzerInnen aber einig, dass Hanken sein Geld wert ist. „Sonst hätte ich mit meinem Pferd zu ihm nach Filsum fahren müssen, das kostet um einiges mehr. Und wenn ich einen Tierarzt hole, bin ich schnell bei dieser Summe angelangt“, meint eine der Teilnehmerinnen. Einzig ein mit einem Pferd, das unter seltsamen Bewegungsstörungen leidet, aus Graz Angereister ist nicht mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden. Nach einer langen Odyssee durch Therapien und Klinikaufenthalte hat er viel Hoffnung in den Knochenbrecher gesetzt – und wendet sich entnervt ab, als dieser ihm bei der Begutachtung seines Pferdes erklärt, es habe eine Trensenallergie. „Das Pferd hat doch seit Monaten keine Trense mehr im Maul gehabt!“ Dann noch eine Empfehlung: Wurmkur, das Pferd sei zu dünn und sicher verwurmt – für den Pferdebesitzer Hannes Hainzl ist es damit gelaufen. Er wendet sich kurze Zeit darauf an die Pferderevue: „Ich sehe aufgrund der fürstlichen Honorarforderung – 250,– Euro pro Pferd und Termin, das ist ein Stundenlohn von etwa 1.000,– Euro – das Anrecht auf kompetente und umfangreiche Erbringung der Gegenleistung.“ Hanken habe auch auf Nachfrage per E-Mail keine weiteren Behandlungsempfehlungen gegeben, sondern eher mit seiner „Ostfriesischen Schnauze“ geglänzt. In einer der Pferderevue weitergeleiteten E-Mail ist da unter anderem von der „Frechheit“ und dem „schlechten Benehmen“ des Herrn Hainzl die Rede. Auch Hainzls Bitte um eine schriftliche Beurteilung des Pferdes und die Zusendung der Behandlungsempfehlungen beantwortet Hanken unwillig: „Eine derartige Zusage gab es von mir nicht, denn es wird immer alles an Fragen rund um das Pferd vor Ort abgeklärt.“

Ein Hanken für alle Fälle

Doch dieser Einzelfall soll die Stimmung in Villach an diesem Wochenende nicht trüben. In der Pause scharen sich die ZuschauerInnen um den Protagonisten – alle wollen von seinem Wissen und von seinen Talenten profitieren. Fragen zur Fütterung von Ziervögeln behandelt er genauso wie die Finger, die ihm zum Einrenken vorgehalten werden – alles in wenigen Sekunden und über jeden Zweifel erhaben. „Mit den Händen spüre ich die Kriechströme im Körper, wenn ein Nerv blockiert ist. So weiß ich, wo das Problem liegt und kann die Blockade lösen“, erklärt er seine Vorgehensweise, die er als Chiropraktik und Physiotherapie bezeichnet. Daher sei es gar nicht notwendig, die Vorgeschichte eines Pferdes zu kennen, auch Details wie Alter oder Verwendungszweck interessieren ihn nur gelegentlich: „Wenn ein Pferd bei mir war, dann kenn’ ich alle seine Probleme.“ Unter dem Reiter – eine Pferden doch recht vertraute Problemquelle – schaut sich Hanken die Pferde nur ganz selten an. Carmen Hanken, die Frau an der Seite des Knochenbrechers, dazu: „Das wäre zu viel, wenn wir das Pferd auch noch unter dem Sattel anschauen.“ Am heimatlichen Hof in Filsum ist Carmen Hanken für den Reitunterricht und die Pferdeausbildung zuständig, neben einer Pferdezucht führen die beiden ein Rehabilitationszentrum für Pferde. In seiner Heimat ist Tamme Hanken so populär, dass er eigene Behandlungstage, sogenannte „Kummertage“, auf seinem Hof eingerichtet hat. Samstags können Pferde und anderes Getier vorgestellt werden, montags sind die Menschen dran – oft bis zu 300 an einem Nachmittag. Seine Gabe ist also ein einträgliches Geschäft für den gelernten Landwirt, der zuvor einen Geflügelbetrieb mit 15.000 Hühnern, dann eine Stutenmilchfarm führte, bevor er vor etwa 20 Jahren beschloss, sich ganz dem Knochenbrechen zu verschreiben. Der ­letzte Knochenbrecher in Hankens Familie war der Großvater, von dem er bis zu seinem neunten Lebensjahr „alles gelernt“ hat. Zusätzliche Ausbildungen führt er nicht an – und so fragt man sich: Was macht der Knochenbrecher eigentlich, wenn er Pferde behandelt? Und was ist der Unterschied zu einem Chiropraktiker oder Osteopathen, der zwar keine „Gabe“, dafür aber eine Ausbildung hat?

„Wir wissen heute, dass diese ,Anreißermethoden‘ langfristig zu Knorpel- und Bänderschäden führen können. Es kommt zu absolut unphysiologischen Überdehnungen, die zur Entwicklung eines Spats führen können.“

Dr. Patricia Wanas, Fachtierärztin für Chiropraktik


Lange Hebel mit unbeherrschbarer Wirkung

Auf diese Fragen Antworten zu erhalten ist schwieriger als man glaubt. Denn einerseits herrscht in der Fachwelt eine klare Meinung über die Arbeit des Knochenbrechers, andererseits gibt es aber nur wenige, die im Zusammenhang mit ihm überhaupt zitiert werden wollen. Univ. Prof. Dr. Horst Wissdorf von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Mitautor des Standardlehrwerks „Praxisorientierte Anatomie des Pferdes“ und Vorsitzender des Beirates des Deutschen Instituts für Pferde-Osteopathie (DIPO), macht’s kurz: Tamme Hanken habe keinerlei Fachkenntnisse und sei nur durch Zufall erfolgreich. „Seine Griffe funktionieren nur über lange Hebel. Das macht sie unbeherrschbar. Ein ausgebildeter Osteotherapeut lernt zwei Jahre Anatomie und die daran angepassten Handgrifftechniken. Man arbeitet mit kurzen Hebelwirkungen, um präzise einwirken zu können.“ Zur Erklärung: Unter „Hebel“ versteht man in der Physiotherapie die Beteiligung der spezifischen Beweglichkeit von Gelenken im Bewegungsablauf. Arbeitet man beim Einrenken von Bewegungseinschränkungen mit „kurzen Hebeln“, so wirkt der Handgriff genau an dem zu manipulierenden Gelenk. Wird über „lange Hebel“ gearbeitet, sind mehrere Gelenke betroffen, die Kraft der Einwirkung pflanzt sich über die Gelenksetagen fort und wird verstärkt. Das ist etwa der Fall, wenn man das Hinterbein eines Pferdes aufhebt und nach hinten ausstreckt. Osteotherapeut im klassischen Sinne ist der Knochenbrecher demnach nicht. In die Schublade der Chiropraktiker kann man ihn aber auch nicht stecken. Dr. Patricia Wanas, Fachtierärztin für Chiropraktik, erklärt: „Das Ziel in der Chiropraxis ist es, sehr spezifisch und beinahe ohne Krafteinwirkung an einem bestimmten Gelenk zu arbeiten. Dabei arbeitet der Chiropraktiker immer in der Bewegungsrichtung des Gelenkes und nicht dagegen.“ Wanas hält es durchaus für möglich, dass sich die Beschwerden der Pferde nach der Behandlung durch den Knochenbrecher bessern, aber: „Wir wissen heute, dass diese ,Anreißermethoden‘ langfristig zu Knorpel- und Bänderschäden führen können. Es kommt zu absolut unphysiologischen Überdehnungen, die zur Entwicklung eines Spats führen können. Wenn etwa das rechte Iliosakralgelenk durch eine lange Hebelwirkung eingerenkt wird, kann es links zu einem Spat und rechts zu einer Kniegelenksarthrose kommen. Auch die Pferde zeigen sich bei wiederholter Anwendung dieser Griffe mit langem Hebel nicht mehr so kooperativ. Ich würde das als Hinweis darauf verstehen, dass ihnen die Behandlung Schmerzen bereitet hat.“ Eine Tatsache, die auch der Leiter der Pferdeklinik Burg Müggenhausen und Chefredakteur einer Fachzeitschrift für Pferdemediziner, Dr. Thomas Weinberger, bestätigen kann. Er musste bereits ein Pferd nach einer nicht fachgerechten Einrenkung der Wirbelsäule einschläfern – der zugefügte Schaden war irreparabel. Was nun die zahlreich festgestellten Gebissallergien betrifft, so berichten alle befragten TierärztInnen, dass das Krankheitsbild zwar existiert und auch in der Literatur erwähnt wird. Allein, in der Praxis sieht man diese Art von Allergien sehr selten. Dr. Patricia Wanas kennt die „Allergie“ in einem anderen Zusammenhang: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde, die von ihren Reitern mit sehr harter Hand geritten werden, positiv auf den Akupunkturpunkt ,Magen 4‘ reagieren. Selbst habe ich nur sehr selten mit wirklichen Allergien auf Metalllegierungen zu tun. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass manche Reiter einfach hören wollen, dass die Ausrüstung schlecht und sie selbst vollkommen tadellos sind.“

„Wenn die Tierärzte flächendeckend seriös arbeiten würden und alle ehrlich genug wären, den Besitzern mitzuteilen, wenn ihre Kompetenz erschöpft ist, hätten Leute wie Tamme Hanken in dieser Branche nicht so viel zu tun.“

Ein Tierarzt (Name der Redaktion bekannt)


Gefordert: Wenig Zeit, viel Zuversicht

Für Weinberger ist der Hype um sogenannte Heiler ein Kind unserer Zeit: „Viele Leute ­wollen schnell eine Antwort und am liebsten sofort eine Heilung. Als Tierarzt bin ich verpflichtet, meine Diagnose mit den Befunden der von mir durchgeführten Untersuchungen zu begründen. Das muss ein Heiler nicht. Meistens wird ja nicht einmal nachgefragt!“ Die Popularität von Knochenbrechern und anderen selbsternannten Therapeuten gründet Weinbergers Ansicht nach „in erster Linie auf Mundpropaganda. Die Theke (syn. für das österreichische „Stüberl“, Anm.) ist der Feind jeder seriösen Medizin. Wer sich an der Theke behauptet, dem hört man auch zu, wenn er am Pferd manipuliert. Die Kollegen in der Fahrpraxis sind in dieser Beziehung einem viel größeren Druck ausgesetzt. Die Besitzer wollen einen Tierarzt, der immer Zuversicht versprüht – aber das ist einfach nicht seriös.“ Vielleicht sind aber auch die Tierärzte ein gutes Stück mit dafür verantwortlich, dass Leuten wie Tamme Hanken so viel Vertrauen – und Geld – entgegengebracht wird. Schließlich einte die hoffnungsfrohe Schar in Villach vor allem eines: Alle haben sie mit ihren Pferden eine lange Reihe erfolgloser tierärztlicher Behandlungsversuche hinter sich. Und so mancher konnte von Eingriffen berichten, über deren Sinnhaftigkeit sich in Fachkreisen lange streiten ließe. Viele setzen in Tamme Hanken ihre letzte Hoffnung. „Wenn die Tierärzte flächendeckend seriös arbeiten würden und alle ehrlich genug wären, den Besitzern mitzuteilen, wenn ihre Kompetenz erschöpft ist, hätten Leute wie Tamme Hanken in dieser Branche nicht so viel zu tun. Zum Teil ist das ein selbstgeschaffenes Problem, mit dem wir es hier zu tun haben“, meint ein Tierarzt, der allerdings nicht namentlich erwähnt werden möchte. Am Ende liegt es an uns Pferdebesitzern, zu entscheiden, welchem Therapeuten wir unsere Pferde anvertrauen wollen. Und diese Entscheidung wird, wie so viele im Leben, weniger mit dem Kopf als mit dem Bauch gefällt.

QUELLE: www.pferderevue.at


Fütterung: Was dürfen Pferde fressen?                                                                                    25.02.2014

Füttern bis der Arzt kommt?

Knoblauch soll ein natürliches Antibiotikum sein, Vitamin E verspannte Muskeln lockern. Tatsächlich helfen manche Pülverchen, andere sind richtig riskant fürs Pferd. Was dürfen Pferde wirklich fressen? Hier ein paar Experten-Tipps.

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Die Pferde schnuppern am Eimer. Was gibt‘s zu futtern?

Schon mal Kräuter gegen Satteldruck gefüttert? Natürlich nicht – ist ja auch totaler Unfug! Da hilft nur ein Sattler. Aber Hand aufs Herz: Wenn das Pferd hustet oder sich beim Reiten verspannt, öffnen Sie nicht auch gerne erst die Natur-Apotheke, bevor Sie einen Tierarzt rufen, der Tage später eine teure Rechnung schickt?

Manche Anbieter pflanzlicher Produkte werben mit blumigen Versprechungen, was ihre Pülverchen nicht so alles können. Tatsächlich gibt es natürliche Mittel, die sehr gut wirken. Andere sind bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls schädlich. Da zahlen Pferdebesitzer ganz leicht drauf, die sich eigentlich den Doc sparen wollten. Doch was ist Lüge, was ist Wahrheit?

CAVALLO hat zusammen mit Professor Ellen Kienzle vom Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der Ludwig-Maximilians-Universität in München fünf beliebte Futter-Zusätze unter die Lupe genommen.

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Mythos und Wirklichkeit: Weder Mücken noch Bakterien lassen sich durch Knoblauch abschrecken.

1. Knoblauch als Insektenschutz?

„Mücken lachen sich tot, wenn ein Pferd nach Knoblauch stinkt“, sagt Kienzle. „Es gibt keinen Hinweis, dass die Stinkbombe nervende Insekten vertreibt.“ Angeblich soll Knoblauch auch ein natürliches Antibiotikum sein. „Allerdings wirkt die Knolle viel schwächer als ein Medikament vom Tierarzt“, sagt Kienzle. Im akuten Fall sollten Sie das Antibiotikum geben, das der Doc verschreibt. Nicht nur, weil die Wirkung der Arznei in aufwändigen Tests bestätigt wurde und die Risiken bekannt sind, sondern auch, weil bei der Fütterung hoher Knoblauch-Mengen starke Nebenwirkungen auftreten können, beispielsweise Blutarmut.

2. Omega 3 für Ekzemer?

„Pferden mit Sommerekzem kann ein Schuss Fischöl helfen“, sagt Ellen Kienzle. Dabei sollten Reiter aber darauf achten, dass die Tiere ausreichend mit Vitamin E versorgt sind.


3. Probiotika für die Verdauung?

„Ist das Pferd gesund, braucht es keine Probiotika“, meint die Fütterungsexpertin. Nach Koliken oder bei Verdauungsstörungen kann Bierhefe die Darmfunktion unterstützen. Milchsäurebildende Bakterien sind hingegen nicht als Zusatzstoff zugelassen. „Werden sie gefüttert, kann die Verdauung durcheinandergeraten, und im schlimmsten Fall bekommt das Pferd eine Kolik oder Hufrehe“, warnt Kienzle.

4. Vitamin E gegen Verspannungen?

Ist das Pferd klemmig, sollen Vitamin E und Selen den Muskelstoffwechsel in Gang bringen und dadurch die Rittigkeit verbessern. Ellen Kienzle unter-suchte den Mythos an 90 Warmblütern, die laut ihrer Reiter Probleme mit der Muskulatur hatten, obwohl ihnen keine Vitamine und Spurenelemente fehlten. Ein Drittel der Pferde bekam täglich eine Dosis Vitamin E, dem zweiten Drittel wurde Selen verabreicht, ein Drittel erhielt lediglich ein Placebo. Die Reiter wussten nicht, welches Tier über die 120 Testtage welches Präparat bekam. Danach wurden sie gefragt, ob sich die Pferde nun besser reiten ließen. Überraschenderweise waren die Tiere aus der Placebo-Gruppe viel rittiger. Auch die Rückenmuskulatur war lockerer.

5. Muscheln bei Arthrose?

Zusatzfutter für Pferde verkauft sich wie geschmiert, wenn es angeblich Gelenke schützt oder Arthrose stoppt. Sicher ist: Keines dieser Pülverchen kann Arthrose wirklich heilen und einen kaputten Knorpel reparieren. Manche lindern jedoch tatsächlich die Symptome. „Grünlippmuschelextrakt wirkt entzündungshemmend und hilft manchen Tieren“, sagt Kienzle. Das gelte auch für die Fütterung von Gelatine oder Teufelskralle. „Wichtig dabei: Bewegen Sie das Pferd entsprechend seiner Krankheit und heizen nicht mit ihm durchs Gelände.“

QUELLE: www.cavallo.de


                                                                         23.02.2014

Boxenhaltung und Rollkur: Urteil mit Folgen für alle

Einzelhaltung in Boxen, keine freie Bewegung, blutiger Sporeneinsatz und Rollkurreiten: Das Amtsgericht Starnberg verurteilte eine Reiterin von drei Pferden zu einer hohen Geldstrafe.

Wer sein Pferd ohne Auslauf in der Box hält, macht sich strafbar.

Pferdehaltung, Rollkur

So wie sie ihre drei Pferde ritt und hielt, verstieß die 44-Jährige demnach gegen das Tierschutzgesetz. Sie muss 180 Tagessätze à 150 Euro zahlen. „Ein hartes Urteil“, kommentiert Pferderechtsexperte Gerd Sickinger das Urteil kurz nach Bekanntwerden. „Ab 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft. Sollte das Urteil Bestand haben, müssen sich einige Reiter in Deutschland warm anziehen.“

Denn im Kern geht es darum, ab wann einem Pferd durch Reitweise und Haltung Leiden zugefügt werden. „Das ist beim Reiten immer eine Einzelfallentscheidung. Nicht jeder, der sein Pferd kurzfristig hinter der Senkrechten reitet oder mit Sporen treibt, ist gleich ein Tierquäler“, sagt der Jurist.

Anders sieht es bei der Pferdehaltung aus. Die Frau hatte ihre Pferde mehrere Jahre stets in der Einzelbox gehalten. Raus ging es nur zum täglichen Training für zirka eine Stunde. Frei bewegen konnten sich die Tiere nicht; sie hatten keinen Paddock- oder Koppelgang, da die Besitzerin Verletzungen fürchtete. Das Gericht bewertete die fehlende natürliche Bewegung sowie den mangelnden Kontakt zu anderen Pferden als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Es bezieht sich dabei in wesentlichen Punkten auf die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten - siehe auch unter www.cavallo.de/leitlinien.

Mit einem Bein im Knast:

„Das Urteil hat daher Signalwirkung“, schätzt Rechtsanwalt Sickinger. „Dann stünden nicht nur viele Reiter mit einem Bein im Knast.“ Viele Ställe hätten auch gar nicht genug Flächen, um allen Pferden ausreichend Auslauf zu garantieren. „Nach dem Maßstab dieses Urteils wären 50 Prozent aller Pferdehaltungen in Deutschland tierschutzwidrig, optimistisch geschätzt “, sagt Dr. Dietrich Plewa.

Der Pferderechtsanwalt ist der Verteidiger der verurteilten Pferdehalterin und malt die Zukunft des Reitsports in düstersten Farben aus: „Diese Auflagen können nur wenige erfüllen. Wenn das Wirklichkeit wird, ist das Pferd als Freizeitpartner in Deutschland erledigt.“ Dietrich Plewa hat für seine Mandantin Berufung gegen das Urteil eingelegt wie auch die Staatsanwaltschaft. Sie hatte ein auf vier Jahre befristetes Tierhalteverbot gefordert. Dem folgte das Gericht nicht. CAVALLO wird den Fall weiter verfolgen.

„Das Pferd als Freizeitpartner wäre dann erledigt“ Pferderechtsanwalt Dr. Dietrich Plewa verteidigt die 44-jährige Angeklagte.

Für manche Ställe das Aus

Wie sich strengere Haltungsvorschriften auswirken, kann man demnächst in der Schweiz beobachten. Deren Tierschutzverordnung verlangt ab 2013, dass sogenannte ungenutzte Pferde wie etwa Fohlen, Mutterstuten und Jungpferde täglich für mindestens zwei Stunden Auslauf bekommen. Alle anderen Pferde müssen täglich angemessen bewegt werden. „Egal ob geritten, gefahren, auf dem Laufband oder in der Führanlage“, erklärt Iris Bachmann vom Schweizerischen Nationalgestüt (SNG) in Avenches. „Aber auch solche Pferde müssen sich zwei Mal die Woche mindestens zwei Stunden frei bewegen können.“ Der Halter muss alles in einem Auslaufjournal dokumentieren. Für manche Ställe das Aus Für das SNG mit seinen 80 Hengsten eine echte Herausforderung: „Bei uns kümmert sich ein Mitarbeiter den ganzen Tag darum, einen Hengst nach dem anderen für ein paar Stunden auf den Paddock zu bringen“, erzählt Iris Bachmann. Sie ist sich sicher, dass nicht jeder Betrieb ausreichend Fläche dafür haben wird: „Ich rechne mit einigen freiwilligen oder erzwungenen Schließungen stadtnaher Betriebe."


QUELLE:  www.cavallo.de


T R A K E H N E R                                                                                                            23.02.2014
I N   B A Y E R N
 

Legal Notice:

Bahnbrechendes Urteil zu Gunsten der Pferde oder Todesurteil für 50% aller Pferdehaltungen?

„Cavallo“ und „Bayerns Pferde“ berichten über einen Urteilsspruch im bayerischen Starnberg         
verlinkung zum :  
Das Urteil

Ihr Mangel an Einsicht kam eine 44-jährige Hausfrau und Pferdebesitzerin jetzt teuer zu stehen: Weil sie ihren drei Pferden keinen Koppelgang gewährte, die Sporen unsachgemäß einsetzte und sie regelmäßig die sogenannte Rollkur (BAYERNS PFERDE 4/11) beim Reiten anwandte, hat das Amtsgericht Starnberg die Mutter zweier Adoptivkinder zu 180 Tagessätzen à 150 Euro, also insgesamt 27.000 Euro, verurteilt. Nach Informationen von BAYERNS PFERDE war die Reiterin mehrmals und über längere Zeit von Stallkollegen immer wieder aufgefordert worden, ihr Verhalten zu ändern. Als das nichts bewirkte, kam der Fall vor Gericht.

Schmerzhafte Genickschleimbeutel

Das 29 Seiten starke Urteil, welches BAYERNS PFERDE in Kopie vorliegt, ist keine leicht Kost. So soll die Angeklagte ihre drei Pferde seit April 2009 „Dauerhaft in Einzelboxen“ gehalten haben, die Tiere erhielten „keinerlei Freilauf auf Koppel oder Paddock“ Die Pferde erhielten „keinerlei Gelegenheit zu artgerechter Bewegung oder zu artgerechtem Sozialverhalten“ – obwohl „Koppel- oder Paddockgang möglich gewesen wäre“. Natürliche Bewegungsabläufe seien „zum einen durch die infolge entsprechender Zäumung verursachte Zwangshaltung … unterbunden.“ Das Gericht stellte zudem unter anderem fest: „Alle drei Pferde litten aufgrund von Muskelverspannungen zumindest zweitweise unter erheblichen Rückenschmerzen, was durch entsprechende Abwehrreaktionen beim Abtasten im Rahmen der amtstierärztlichen Exploration… festgestellt wurde.“ Aufgrund der Hyperflexion „waren zumindest zeitweise bereits die Genickschleimbeutel jeweils beidseitig vergrößert und schmerzhaft“.

„Nicht unerhebliche Bedenken“

Auch was den Sporeneinsatz anbelangt, schien die Pferdebesitzerin, „ungezielt und unsachgemäß“ vorzugehen – „über längere Zeit hinweg“ verursachte sie, so die Feststellung des Gerichts, ihren Pferden „wiederholt offene blutende Wunden“. Der Verteidiger der Angeklagten, laut „Cavallo“ der Pferderechtsanwalt Dr. Dietrich Plewa, wird von der Fachzeitschrift mit den Worten zitiert: „Nach dem Maßstab dieses Urteils wären 50 % aller Pferdehaltungen in Deutschland tierschutzwidrig, optimistisch geschätzt.“ Eine Anfrage per E-Mail von BAYERNS PFERDE hat Plewa bis Redaktionsschluss nicht beantwortet. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben Berufung gegen das Urteil eingelegt – die Staatsanwaltschaft hatte sogar ein Tierhalteverbot (befristet auf vier Jahre) gefordert. Dem wollte das Gericht jedoch nicht folgen, da „sich die Zeugen… insgesamt positiv zum aktuellen Umgang der Angeklagten mit ihren Pferden äußerten“. Deshalb hat das Gericht „unter Zurückstellung nicht unerheblicher Bedenken … von der Verhängung eines Tierhalteverbots… abgesehen.“

QUELLE: www.trakehner-bayern.de



Lena & Leo kamen am 15.02. zu uns.....                                                                                          20.02.2014

Die Eingewöhnung der beiden Neuen ging erstaunlich schnell ...
seit dem 17.02. sind die Beiden Tag und Nacht in der Herde...
und sie scheinen sich hier sehr wohl zu fühlen - schön - das freut uns natürlich





QUELLE: Wutzlhof




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